Ein Blick hinter die Architektur mit Dorte Mandrup
2019 gewann Dorte Mandrup den internationalen Wettbewerb zur Gestaltung von The Whale in Andenes. Betreten Sie ihr Atelier und entdecken Sie die Vision hinter einer Architektur, die von Landschaft, Licht und der kraftvollen Präsenz des Meeres geprägt ist.
We really wanted to win this competition. It’s absolutely fantastic!
„Diesen Wettbewerb wollten wir unbedingt gewinnen. Es ist einfach fantastisch!“ So äußerte sich die dänische Architektin Dorte Mandrup in dem ersten Interview, das sie in Fyrvika auf Andenes am 1. November 2019 gab. Es ist leicht zu verstehen, warum sie jubelte. Ihr dänisches Architekturbüro hatte sich gegen die Konkurrenten Snøhetta, BIG und Reiulf Ramstad durchgesetzt. Nicht nur die Fachleute in der Jury, sondern auch die lokale Bevölkerung nahm Dortes Entwurf begeistert auf. Bei einer Abstimmung auf Vesterålen Online, an der mehr als 2000 Menschen teilnahmen, erhielt ihr Entwurf mehr als die Hälfte der Stimmen.
„Erschaffen Sie etwas Spektakuläres, das sich in die Landschaft einfügt.“
Ihr war eine - gelinde gesagt - anspruchsvolle Aufgabe gestellt worden: „Erschaffen Sie etwas Spektakuläres, das sich in die Landschaft einfügt.“ Erstaunlicherweise hatte sie diese scheinbar unmögliche Aufgabe gemeistert.
Im November 2022, drei Jahre nachdem Dorte Mandrup in Andenes als Siegerin gefeiert worden war, kehrte sie nach Andøy zurück. Dieses Mal zogen mehr als 200 von Andenes’ Einwohnern in einem Fackelzug los, um den Staat zur finanziellen Unterstützung des Projekts zu bewegen. Dorte Mandrup richtete dabei eine klare Botschaft an die nationalen Politiker: „Sie haben die Möglichkeit, ein außergewöhnlich hochwertiges Reiseziel zu schaffen. Solche Chancen ergeben sich nicht oft – ergreifen Sie sie!“, lautete die Aufforderung der engagierte Mandrup.
Weitere drei Jahre sind vergangen. Während das Gebäude beginnt, in Andenes Gestalt anzunehmen, treffen wir Dorte Mandrup in ihrem Architekturbüro in Dänemark.
Emotional
„Ein großer Teil der Atmosphäre und Stimmung rund um das Gebäude und den Ort besteht darin, dass man hier der Natur begegnet. Man befindet sich an der Küste des Nordatlantiks. Für alle Menschen ist es eine sehr emotionale Erfahrung, der Natur auf diese Weise zu begegnen. Die Dimensionen und Abstände sind so groß. Man spürt die Präsenz des Meeres sehr deutlich“, sagt Dorte Mandrup.
Im Einklang mit der Umgebung
„Als wir den Ort besuchten, hatten wir - oder ich - ein klares Gefühl dafür, dass sich dieses Gebäude so weit wie möglich in die atemberaubende Umgebung einfügen sollte. Das Gebäude musste eine harmonische Komposition im Gelände, in der Landschaft sein. Neben dem Grundstück steht ein Leuchtturm, der gewissermaßen das Wahrzeichen des Ortes ist, und mit dem wollten wir nicht konkurrieren“, erzählt Mandrup.
Die sanfte Kurve
„Unser Ausgangspunkt war, mit einem Gebäude zu arbeiten, das etwas völlig anderes tut. Also: Was wäre, wenn es hier um den Horizont geht und nicht um die Verbindung zwischen Erde und Himmel? Mit dem Leuchtturm am Ort war es naheliegend, etwas Horizontales zu schaffen, und so entstand schließlich diese sanfte Kurve“, sagt Mandrup.
Der Meeresboden an Land
„Der Entwurf ist als eine Art Fortsetzung der Landschaft des Meeresbodens gedacht, die nach oben weiterläuft. Wenn man es in eine Metapher übersetzen wollte, ist es, als hätte ein Riese mit seinem kleinen Messer gerade die Erdoberfläche aufgeschnitten und gelöst - sie hochgehoben und dann dieses Walzentrum darunter hineingesetzt.“
Als ob man durch Wasser hindurchsähe
„Viele Aspekte der Arktis - oder des Klimas - haben auch damit zu tun, was man mit den Sinnen wahrnimmt und erlebt. Das versuchen wir natürlich so weit wie möglich zu betonen und einzurahmen. Die Fassade besteht aus gebogenen Glas, das gewissermaßen die Grenzen zwischen Innen und Außen auflöst und ein leicht verschwommenes, meeresartiges Gefühl vermittelt. Es ist fast so, als würde man durch Wasser hindurchsehen“, erklärt Dorte Mandrup.
The building is intended to be inviting, friendly and welcoming. One of the key issues at the site was that the local community used this peninsula for recreation, including dog walking, and they could get right down to the water’s edge
Zurückgeben
Es ist ein Haus, das einladend, freundlich und zugänglich sein soll. „Eine der Herausforderungen an diesem Ort war, dass es sich um eine Halbinsel handelte, die von der lokalen Bevölkerung zur Erholung genutzt wurde - etwa für Spaziergänge mit dem Hund - und die Menschen bis ans Meer gingen. Und plötzlich sollte dieses Gebäude die Fläche vollständig einnehmen. Also fragten wir uns: Wie können wir der Gemeinschaft die Fläche zurückgeben, indem wir einen Ort gestalten, zu dem alle Zugang haben, statt ihnen etwas zu wegzunehmen?
Das ist tatsächlich einer der Gründe, warum das Haus so aussieht, wie es aussieht. Es sieht außerdem so aus, weil es eine Komposition in der Landschaft ist, in die wir uns einfügen möchten. Es geht sowohl um das Verständnis der visuellen und ästhetischen Eigenschaften des Geländes als auch um das Verständnis der kulturellen und sozialen Aspekte“, sagt die Architektin.
Was braucht der Ort?
„Idealerweise sollte es eine Synthese von unserem Verständnis des Ortes, dem, was er bietet, und dem, was er benötigt, sein. Denn wir möchten ihn auf eine Weise hinterlassen, bei der man das Gefühl hat, dass man etwas bekommen hat - und dass einem nichts genommen wurde“, erläutert Dorte Mandrup.
Hinter den Kulissen zur Eröffnung